Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern 2026

Auf einen Blick

Wahltermin 20. September 2026
Wahlberechtigte ca. 1,3 Millionen
Wahlsystem Personalisierte Verhältniswahl (Erst- und Zweitstimme)
Sperrklausel 5 %
Sitze 79 (Landtag von Mecklenburg-Vorpommern)
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD)
Koalition SPD, Linke

Aktuelle Umfragen

Partei Forschungsgruppe Wahlen (11.09.2026) Infratest dimap (10.09.2026)
AfD 37 % 38 %
SPD 34 % 33 %
Linke 10 % 9 %
CDU 7 % 7 %
Grüne 5 % 5 %
BSW 4 % 4 %
FDP

Stand: 13.09.2026

Ergebnis der letzten Wahl

Landtagswahl vom 26. September 2021 — Wahlbeteiligung: 70,9 %

Partei Ergebnis 2021
SPD 39,6 %
AfD 16,7 %
CDU 13,3 %
Linke 9,9 %
Grüne 6,3 %
FDP 5,8 %
Sonstige 8,4 %

Einordnung

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 steht vor der wohl dramatischsten Verschiebung aller drei anstehenden Landtagswahlen. Die AfD hat sich in den Umfragen im Vergleich zum Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt: Von 16,7 Prozent auf aktuell 37 bis 38 Prozent. Kein anderes Bundesland verzeichnet einen derart massiven Zuwachs. Die Partei liegt in allen Erhebungen auf Platz eins — doch ihr Vorsprung schmilzt: Eine Woche vor der Wahl trennen sie nur noch drei bis fünf Punkte von der SPD, Anfang September waren es je nach Institut bis zu neun.

Die SPD unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat im Vergleich zum überragenden Ergebnis von 2021 (39,6 Prozent) rund sechs Prozentpunkte verloren. Mit 33 bis 34 Prozent bleibt sie klar zweitstärkste Kraft und hat auf der Zielgeraden deutlich aufgeholt — binnen zehn Tagen um vier bis sechs Punkte. Schwesigs persönliche Beliebtheit in Mecklenburg-Vorpommern ist nach wie vor hoch, doch der bundespolitische Gegenwind und die allgemeine Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien machen sich auch im Nordosten bemerkbar.

Die CDU steckt in einer historischen Schwächephase. Mit nur noch 7 Prozent in den Umfragen liegt die Partei weit unter ihrem ohnehin schwachen Ergebnis von 2021 (13,3 Prozent) und fällt hinter die Linke auf Platz vier zurück. In einem Land, in dem die CDU bis 1998 den Ministerpräsidenten stellte und danach über zwei Jahrzehnte als Juniorpartner mitregierte, ist das ein bemerkenswerter Niedergang. Mecklenburg-Vorpommern hat historisch zwischen SPD- und CDU-Führung gewechselt, doch für die CDU scheint diese Pendelbewegung vorerst gestoppt.

Die amtierende rot-rote Koalition aus SPD und Linke käme nach den aktuellen Umfragen auf 42 bis 44 Prozent der Stimmen und rund 46 bis 47 Prozent der Sitze — die Mehrheit wird damit knapp verfehlt. Die Linke liegt mit 9 bis 10 Prozent etwa auf ihrem Niveau von 2021 (9,9 Prozent). Anders als noch Anfang September wäre nun aber ein rot-rot-grünes Bündnis rechnerisch möglich, sofern die Grünen die Fünfprozenthürde schaffen.

Die Regierungsbildung dürfte äußerst schwierig werden. Die AfD als mit Abstand stärkste Partei wird voraussichtlich keinen Koalitionspartner finden, da alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit ausgeschlossen haben. Es bräuchte ein Bündnis unter Ausschluss der AfD — infrage kämen SPD, Linke und Grüne oder SPD, Linke und CDU. Beide Konstellationen hätten nach aktuellem Stand eine Mehrheit, hängen aber am Einzug der Grünen beziehungsweise an der Bereitschaft der stark geschwächten CDU.

Am Rande des politischen Spektrums kämpfen FDP und BSW ums Überleben. Die FDP, die 2021 mit 5,8 Prozent knapp den Einzug in den Landtag schaffte, wird in den jüngsten Umfragen nicht mehr gesondert ausgewiesen und unter „Sonstige" geführt — der Wiedereinzug ist damit außer Reichweite. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) tritt erstmals an, kommt mit rund 4 Prozent aber ebenfalls nicht über die Fünfprozenthürde. Die Grünen liegen exakt bei 5 Prozent — an ihrem Einzug hängt, ob es neben Rot-Rot-CDU eine zweite Mehrheitsoption ohne die AfD gibt.

Insgesamt zeichnet sich in Mecklenburg-Vorpommern ein Bild ab, das die Umbrüche in der ostdeutschen Parteienlandschaft besonders deutlich widerspiegelt. Die SPD unter Schwesig wird versuchen, ihr Amt zu verteidigen, doch selbst bei einem relativen Erfolg wird die Regierungsbildung eine politische Gratwanderung. Ob das Land weiterhin von einer Ministerpräsidentin Schwesig geführt wird, hängt nicht nur vom Wahlergebnis ab, sondern vor allem von der Bereitschaft potenzieller Koalitionspartner, ein ungewöhnliches Bündnis einzugehen.