Abgeordnetenhauswahl Berlin 2026
- Wahltermin
- 20. September 2026
- Wahlberechtigte
- ca. 2,5 Millionen
- Wahlsystem
- Personalisierte Verhältniswahl (Erst- und Zweitstimme)
- Sperrklausel
- 5 %
- Sitze
- mindestens 130 (Abgeordnetenhaus von Berlin)
- Reg. Bürgermeister
- Kai Wegner (CDU)
- Koalition
- CDU, SPD
Aktuelle Umfragen
| Partei | Forschungsgruppe Wahlen (11.09.2026) | Infratest dimap (10.09.2026) |
|---|---|---|
| Linke | 23 % | 21 % |
| CDU | 21 % | 20 % |
| AfD | 17 % | 18 % |
| Grüne | 16 % | 16 % |
| SPD | 10 % | 12 % |
| BSW | 3 % | 4 % |
| FDP | — | — |
Stand: 13.09.2026
Ergebnis der letzten Wahl
Wiederholungswahl vom 12. Februar 2023 · Wahlbeteiligung: 63,1 %
| Partei | Ergebnis 2023 |
|---|---|
| CDU | 28,2 % |
| SPD | 18,4 % |
| Grüne | 18,4 % |
| Linke | 12,2 % |
| AfD | 9,1 % |
| FDP | 4,6 % |
| Sonstige | 9,1 % |
Einordnung
Berlin wählt am 20. September 2026 sein Abgeordnetenhaus — nicht einen Landtag, wie in allen anderen Bundesländern. Die Berliner Landesvertretung trägt diesen besonderen Namen seit der Nachkriegszeit und ist mit mindestens 130 Sitzen eines der größten Landesparlamente Deutschlands. Die anstehende Wahl verspricht eine der spannendsten in der jüngeren Geschichte der Hauptstadt zu werden.
Die Umfragen zeigen ein dramatisch verändertes Kräfteverhältnis gegenüber der letzten Wahl von 2023. Eine Woche vor dem Wahltag führt die Linke in beiden aktuellen Erhebungen: Die Forschungsgruppe Wahlen sieht sie am 11. September bei 23 Prozent, Infratest dimap tags zuvor bei 21 Prozent — jeweils zwei Punkte vor der CDU. Gegenüber ihrem Ergebnis bei der Wiederholungswahl 2023 wäre das ein Plus von rund zehn Prozentpunkten. Damit zeichnet sich ab, dass die Linke erstmals stärkste Kraft im Berliner Abgeordnetenhaus werden könnte. Ihr Zugewinn dürfte vor allem auf die bundespolitische Profilierung der Partei als klare Oppositionskraft sowie auf ihre starke Verankerung in den östlichen Bezirken Berlins zurückzuführen sein.
Für die CDU unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner ist die Lage deutlich schwieriger geworden. Von ihren 28,2 Prozent bei der Wiederholungswahl 2023 sind in den Umfragen nur noch 20 bis 21 Prozent geblieben — ein Verlust von rund sieben Prozentpunkten. Ungleich dramatischer ist die Lage der Koalitionspartnerin SPD: Mit 10 bis 12 Prozent hat sie sich gegenüber 2023 nahezu halbiert und fällt auf den fünften Platz zurück. Die schwarz-rote Koalition käme zusammen nur noch auf gut ein Drittel der Sitze und hat ihre Mehrheit damit klar verloren.
Die AfD hat ihre Unterstützung gegenüber 2023 nahezu verdoppelt und liegt bei 17 bis 18 Prozent. Die Grünen kommen stabil auf 16 Prozent und bleiben eine feste Größe in der Berliner Parteienlandschaft. Damit liegen Linke, CDU, AfD und Grüne innerhalb von rund sieben Punkten. Das BSW bewegt sich mit 3 bis 4 Prozent unterhalb der Fünfprozenthürde; die FDP wird in beiden aktuellen Umfragen nicht mehr gesondert ausgewiesen und unter „Sonstige" geführt — für beide dürfte der Einzug ins Abgeordnetenhaus außer Reichweite sein.
Zur Einordnung ist wichtig: Die Wahl von 2023 war selbst eine Besonderheit. Sie war die Wiederholung der Abgeordnetenhauswahl vom September 2021, die vom Berliner Verfassungsgerichtshof wegen gravierender organisatorischer Mängel — fehlende Stimmzettel, stundenlange Wartezeiten, Wahllokale die nach 18 Uhr noch Stimmen annahmen — für ungültig erklärt worden war. Dieser einmalige Vorgang in der bundesdeutschen Geschichte sorgte bundesweit für Aufsehen.
Die Koalitionsbildung nach der Wahl 2026 dürfte auf ein Bündnis unter Führung der Linken hinauslaufen. Rot-Rot-Grün aus Linke, SPD und Grünen käme nach beiden aktuellen Umfragen auf rund 56 Prozent der Mandate und hätte damit eine komfortable Mehrheit. Für die bisherige schwarz-rote Koalition reicht es dagegen bei weitem nicht mehr. Rechnerisch möglich wäre auch eine Große Koalition neuer Prägung aus Linke und CDU, politisch gilt sie jedoch als unwahrscheinlich. Die AfD, die als Koalitionspartner von allen Parteien ausgeschlossen wird, schränkt die Optionen zusätzlich ein. Berlin bleibt damit ein Trendsetter für urbane Politik in Deutschland: In kaum einer anderen Stadt lassen sich gesellschaftliche Umbrüche, politische Fragmentierung und neue Mehrheiten so unmittelbar beobachten wie in der Hauptstadt.